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Unternehmertum 9 min Lesedauer 4. Juni 2026

Du hast keine Nachkalkulation. Und weißt nicht, ob sich deine Aufträge lohnen.

FP
Florian Platau
Freelance Softwareentwickler · NRW

Du erstellst ein Angebot. Der Kunde sagt ja. Ihr macht den Auftrag. Am Ende schreibst du eine Rechnung. Und dann? Dann kommt der nächste Auftrag. So läuft das bei den meisten kleinen und mittleren Unternehmen, die ich kenne.

Was fast nie passiert: Jemand setzt sich hin und vergleicht, was der Auftrag tatsächlich gekostet hat, mit dem, was er eingebracht hat. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit. Aber in der Praxis macht es kaum jemand systematisch.

Und genau das ist das Problem. Du weißt, wie viel Umsatz du machst. Aber du weißt nicht, welche Aufträge dich reich machen und welche dich arm. Du fliegst blind. Und das kann auf Dauer existenzgefährdend sein.

Was Nachkalkulation überhaupt bedeutet

Nachkalkulation heißt nichts anderes als: Nach Abschluss eines Auftrags oder Projekts rechnest du durch, was es wirklich gekostet hat. Material, Arbeitszeit, Fahrtkosten, Maschinenstunden, Nacharbeit, Support. Alles, was reingeflossen ist. Und dann vergleichst du das mit dem, was du dem Kunden berechnet hast.

Die Vorkalkulation, also dein Angebot, basiert immer auf Annahmen. Du schätzt, wie lange etwas dauert. Du kalkulierst Materialkosten auf Basis von Erfahrungswerten. Und du hoffst, dass nichts Unvorhergesehenes passiert. Aber die Realität ist selten so sauber wie deine Kalkulation.

Die Nachkalkulation zeigt dir die Wahrheit. Sie sagt dir, ob dein Bauchgefühl bei der Angebotserstellung richtig lag oder ob du dich regelmäßig verschätzt. Und sie zeigt dir, wo genau das Geld liegen bleibt.

Tipp: Du brauchst keine Wissenschaft daraus zu machen. Ein einfaches Schema reicht: Geplante Stunden vs. tatsächliche Stunden, geplante Kosten vs. tatsächliche Kosten, geplanter Gewinn vs. tatsächlicher Gewinn.

Warum die meisten Unternehmen es nicht tun

Ich höre immer die gleichen Gründe. Keine Zeit. Zu aufwendig. Wir wissen ja ungefähr, wie es gelaufen ist. Und der Klassiker: Wir machen doch Gewinn, also passt das schon. Aber 'ungefähr wissen' ist nicht wissen. Und dass unterm Strich schwarze Zahlen stehen, heißt nicht, dass jeder einzelne Auftrag profitabel war.

Das eigentliche Problem ist meistens ein anderes: Die Daten fehlen. Die Arbeitszeiten werden nicht sauber auf Projekte gebucht. Materialkosten werden nicht einzelnen Aufträgen zugeordnet. Und die Informationen liegen verstreut in verschiedenen Systemen, in der Buchhaltung, im Projektordner, im Kopf des Projektleiters.

Wenn du allein schon eine Stunde brauchst, um die Daten für einen einzigen Auftrag zusammenzusuchen, dann machst du es halt nicht. Verständlich. Aber genau da liegt der Hebel. Nicht die Nachkalkulation ist das Problem, sondern die fehlende Infrastruktur dafür.

Ein Handwerksmeister aus Korschenbroich hat mir mal gesagt: Ich weiß genau, was meine Materialien kosten. Aber was mein Team an Zeit reinsteckt, das kann ich nur schätzen. Und genau diese Schätzung lag bei ihm im Schnitt 30 Prozent daneben.

Was es dich wirklich kostet, wenn du es nicht machst

Stell dir vor, du machst im Jahr 200 Aufträge. Bei 20 davon verdienst du richtig gut. Bei 150 kommst du irgendwie hin. Und bei 30 machst du Verlust, ohne es zu merken. Diese 30 Verlustaufträge fressen den Gewinn der guten Aufträge auf. Und du wunderst dich am Jahresende, warum trotz vollem Auftragsbuch nicht mehr übrig bleibt.

Ohne Nachkalkulation kannst du nicht erkennen, welche Kunden profitabel sind und welche nicht. Du kannst nicht sehen, welche Leistungen du unter Wert verkaufst. Du weißt nicht, bei welchen Projekttypen du dich systematisch verschätzt. Und du hast keine Grundlage, um deine Preise sinnvoll anzupassen.

Ich habe mit einem Dienstleister aus dem Raum Neuss gearbeitet, der nach der ersten systematischen Nachkalkulation festgestellt hat, dass sein größter Kunde gleichzeitig sein unprofitabelster war. Der Kunde hatte ständig Sonderwünsche, kurze Fristen und viel Abstimmungsbedarf. Das alles wurde nie berechnet. Der Umsatz sah toll aus, der Gewinn war negativ.

Welche Zahlen du wirklich brauchst

Du musst nicht jedes Detail bis auf den Cent nachverfolgen. Aber ein paar Kernzahlen pro Auftrag solltest du kennen. Erstens: Die tatsächlich aufgewendete Arbeitszeit, aufgeschlüsselt nach Mitarbeitern oder zumindest nach Stundensätzen. Zweitens: Die tatsächlichen Materialkosten. Drittens: Fremdleistungen und Sonderkosten, also alles, was du extern eingekauft hast.

Daraus errechnest du den tatsächlichen Deckungsbeitrag. Also: Rechnungsbetrag minus alle direkt zurechenbaren Kosten. Wenn du das für jeden Auftrag hast, siehst du sofort, wo du stehst. Und du kannst anfangen, Muster zu erkennen.

Muster wie: Aufträge unter 2.000 Euro lohnen sich bei uns fast nie, weil der Verwaltungsaufwand zu hoch ist. Oder: Projekte mit Kunde X dauern immer doppelt so lange wie geplant. Oder: Unsere Standardleistung Y hat einen Deckungsbeitrag von 60 Prozent, aber Sonderanfertigungen liegen bei nur 15 Prozent. Das sind die Erkenntnisse, die dein Unternehmen voranbringen.

Ein einfacher Vergleich: Geplant waren 40 Stunden, geworden sind es 58. Das Material sollte 1.200 Euro kosten, es wurden 1.450 Euro. Geplanter Gewinn: 2.800 Euro. Tatsächlicher Gewinn: 980 Euro. Solche Zahlen willst du schwarz auf weiß sehen.

Wie du anfängst, ohne alles umzukrempeln

Du musst nicht ab morgen jede Minute tracken. Fang klein an. Nimm die nächsten fünf abgeschlossenen Aufträge und rechne nach. Sammle die Arbeitszeiten, die Materialkosten, die Fremdleistungen. Vergleiche sie mit deinem Angebot. Das dauert pro Auftrag vielleicht eine Stunde, wenn die Daten halbwegs verfügbar sind.

Allein diese fünf Aufträge werden dir die Augen öffnen. Ich habe das bei dutzenden Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss und rund um Düsseldorf erlebt. Die Reaktion ist fast immer die gleiche: Das hätte ich nicht gedacht. Meistens im negativen Sinne. Manchmal aber auch positiv, weil ein Auftrag, der sich nach Stress anfühlte, am Ende überraschend profitabel war.

Der nächste Schritt ist dann, die Zeiterfassung so umzustellen, dass Stunden direkt auf Projekte oder Aufträge gebucht werden. Das muss kein Hexenwerk sein. Es gibt einfache Tools dafür, und wenn du schon eine Branchensoftware nutzt, kann sie das wahrscheinlich bereits. Du musst es nur einrichten und konsequent nutzen.

Tipp: Starte mit einer simplen Tabelle: Auftragsnummer, geplante Stunden, tatsächliche Stunden, geplante Kosten, tatsächliche Kosten, Differenz. Mehr brauchst du am Anfang nicht.

Warum Software hier den Unterschied macht

Manuell nachkalkulieren funktioniert bei fünf Aufträgen. Bei 50 wird es mühsam. Bei 200 macht es keiner mehr. Und genau deshalb hören die meisten Unternehmen nach dem ersten Anlauf wieder auf. Der gute Vorsatz verpufft, weil der Aufwand zu hoch ist.

Die Lösung ist, die Daten dort zusammenzuführen, wo sie ohnehin entstehen. Zeiterfassung, Materialwirtschaft, Angebots- und Rechnungswesen. Wenn diese Systeme miteinander sprechen, entsteht die Nachkalkulation fast automatisch. Du klickst auf einen Auftrag und siehst: geplant vs. tatsächlich. Ohne Excel-Akrobatik und ohne stundenlanges Zusammensuchen.

Das muss nicht gleich ein SAP sein. Für viele KMUs reicht eine schlanke Lösung, die genau auf ihre Abläufe zugeschnitten ist. Ich habe für einen Handwerksbetrieb aus NRW mal eine einfache Verknüpfung zwischen Zeiterfassung und Rechnungstool gebaut. Aufwand: überschaubar. Ergebnis: Der Inhaber sieht jetzt auf einen Blick, welche Auftragstypen sich lohnen und welche er besser anders kalkuliert oder ganz lässt.

Der Punkt ist nicht, dass du ein teures System brauchst. Der Punkt ist, dass du ein System brauchst, das deine bestehenden Daten sinnvoll zusammenbringt. Und das lässt sich oft mit weniger Aufwand umsetzen, als du denkst.

Was du mit den Erkenntnissen machst

Nachkalkulation ist kein Selbstzweck. Sie ist wertlos, wenn du die Erkenntnisse nicht nutzt. Der erste und wichtigste Schritt: Passe deine Vorkalkulation an. Wenn du merkst, dass du bei bestimmten Leistungen regelmäßig 25 Prozent mehr Zeit brauchst als geplant, dann kalkuliere das beim nächsten Angebot ein.

Der zweite Schritt: Trenne dich von unprofitablen Aufträgen. Oder passe die Konditionen an. Das klingt hart, aber es ist betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Wenn ein Kunde dauerhaft Aufträge bringt, an denen du nichts verdienst, dann subventionierst du diesen Kunden mit dem Gewinn aus anderen Projekten. Das ist kein Geschäftsmodell.

Der dritte Schritt: Nutze die Daten für Verhandlungen. Wenn du schwarz auf weiß zeigen kannst, dass bestimmte Zusatzleistungen regelmäßig Mehraufwand verursachen, hast du eine Grundlage, um Preise anzupassen. Kunden akzeptieren Preiserhöhungen viel eher, wenn du sie nachvollziehbar begründen kannst.

Ein Unternehmer aus Düsseldorf hat mir erzählt, dass er nach sechs Monaten konsequenter Nachkalkulation seine Preise um durchschnittlich 12 Prozent angehoben hat. Nicht pauschal, sondern gezielt dort, wo er sich vorher systematisch unter Wert verkauft hat. Sein Umsatz blieb fast gleich, aber sein Gewinn stieg um über 30 Prozent.

Die häufigsten Ausreden und warum sie nicht gelten

Meine Mitarbeiter tracken ihre Zeit nicht genau. Dann ändere das. Zeiterfassung auf Projekte ist keine Schikane, sondern ein grundlegendes Werkzeug der Unternehmensführung. Und seit dem EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung musst du sowieso dokumentieren. Dann kannst du es auch gleich sinnvoll machen.

Wir haben zu viele Kleinaufträge, das lohnt sich nicht. Gerade bei Kleinaufträgen ist Nachkalkulation wichtig. Denn hier schleichen sich die unsichtbaren Verluste ein. Wenn jeder dritte Kleinauftrag Verlust macht, summiert sich das über ein Jahr zu einer beträchtlichen Summe. Du merkst es nur nicht, weil die Beträge einzeln klein wirken.

Wir wissen auch so, welche Aufträge gut laufen. Nein, weißt du nicht. Das ist die Erfahrung aus jedem einzelnen Unternehmen, in dem ich Nachkalkulation eingeführt habe. Es gibt immer Überraschungen. Aufträge, die sich gut anfühlten, waren Verlustbringer. Und Aufträge, die als schwierig galten, waren in Wahrheit die profitabelsten. Dein Bauchgefühl ist kein Ersatz für Zahlen.

So sieht ein einfacher Nachkalkulationsprozess aus

Schritt eins: Beim Erstellen des Angebots dokumentierst du die geplanten Stunden, Materialkosten und sonstigen Kosten. Das machst du wahrscheinlich schon, aber oft nur im Kopf. Schreib es auf. In dein Angebotssystem, in eine Tabelle, irgendwohin. Hauptsache, es ist greifbar.

Schritt zwei: Während der Auftragsabwicklung buchen alle Beteiligten ihre Zeiten auf den Auftrag. Materialentnahmen werden dem Auftrag zugeordnet. Fremdleistungen ebenso. Das klingt nach Aufwand, ist aber mit den richtigen Tools eine Sache von Sekunden pro Buchung.

Schritt drei: Nach Abschluss und Rechnungsstellung setzt sich jemand hin und vergleicht Plan mit Ist. Das kann der Projektleiter sein, der Inhaber oder die Buchhaltung. Wichtig ist, dass es gemacht wird und dass die Ergebnisse dokumentiert werden. Einmal im Monat schaust du dir die gesammelten Ergebnisse an und ziehst Schlüsse daraus.

Schritt vier: Die Erkenntnisse fließen zurück in die Vorkalkulation. Du passt deine Stundensätze an, korrigierst deine Zeitschätzungen, überarbeitest deine Preisliste. Das ist ein Kreislauf, der mit jedem Durchlauf genauer wird. Nach einem Jahr wirst du deutlich präziser kalkulieren als heute.

Tipp: Plane für die Nachkalkulation bewusst Zeit ein. Zum Beispiel jeden Freitagnachmittag eine halbe Stunde für die abgeschlossenen Aufträge der Woche. Wenn es keinen festen Termin hat, passiert es nicht.

Lass uns herausfinden, wo dein Geld liegen bleibt.

In einem kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf deine Aufträge und finden heraus, wo Nachkalkulation den größten Hebel hat. Gerne persönlich bei dir vor Ort im Rhein-Kreis Neuss oder per Videocall.

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